Bundestagswahlen wecken politisches Interesse der Schülerinnen: Erstmals Teilnahme an Juniorwahlen an der Liebfrauenschule

Bundesweites Endergebnis

Endergebnis in Hessen

Wäre die Bundestagswahl zu einem anderen Ergebnis gekommen, hätten Jugendliche das Stimmwahlrecht? Drei Tage vor der richtigen Wahl bot sich der Jugend die Möglichkeit, an ca. 3500 beteiligten Schulen deutschlandweit bei der Juniorwahl zum Bundestag ihre Stimme abzugeben. Insgesamt nahmen etwa 800.000 Jugendliche daran teil, so auch die Schülerinnen der Liebfrauenschule Bensheim ab der 9. Klasse mit einer außerordentlich hohen Wahlbeteiligung. Die Schülerinnen zeigten sich in Interviews durchweg begeistert: „Man hat das Gefühl, endlich mal gehört zu werden, auch wenn es noch nicht zählt.“, sagte eine der Schülerinnen. Im Vorfeld der Bundestagswahl am 24. September 2017 haben sich die Schülerinnen der Liebfrauenschule intensiv sowohl mit dem Wahlkampf, als auch mit den Wahlprogrammen der einzelnen Parteien auseinandergesetzt. Im Zuge dessen haben sie Präsentationen über die verschiedenen Parteien gestaltet und mit dem Wahl-O-Mat gearbeitet. Dieser stellt jedem Teilnehmer Fragen zu mehreren politischen Themen und Antworten zur Auswahl, die auf den Wahlprogrammen der Parteien basieren. Zum Schluss steht eine individuelle Auswertung, welche Parteien in welchem prozentualen Anteil die eigenen Interessen vertreten. Der Wahl-O-lMat diente auch als Vorbereitung auf die Podiumsdiskussion des Bergsträsser Anzeigers, an der viele Schülerinnen der Liebfrauenschule teilnahmen.

Im Bensheimer Goethe-Gymnasium versammelten sich mehrere Wahlkreisabgeordnete, deren Parteien mit großer Wahrscheinlichkeit in den Bundestag einziehen würden. Dort diskutierten am Donnerstagabend, den 14. September 2017, Rolf Kahnt (AfD), Till Mansmann (FDP), Dr. Michael Meister (CDU), Sascha Bahl (Die Linke), Moritz Müller (Bündnis 90/Die Grünen) und Christine Lambrecht (SPD) unter Leitung von Karl-Heinz Schlitt vom Bergsträßer Anzeiger über aktuelle politische Themen. Besonders bewegend war für die Schülerinnnen die engagierte Argumentation von Christine Lambrecht, welche sich zur Frauenquote äußerte: „Das haben Sie verhindert mit dieser weiblichen Bundeskanzlerin. Wenn Martin Schulz eine gute Gleichstellungspolitik mache, sei er ihr allemal lieber als eine Frau.“ Unter anderem behandelt wurden zudem Themen wie Bildung/Digitalisierung, der Abgasskandal und die Flüchtlingspolitik. In der zweiten Hälfte des Abends präsentierten die Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums in selbst gestalteten Videos Fragen, die von den Schülerinnen der Liebfrauenschule konkretisiert wurden. Alle Direktkandidaten stellten sich offen den Fragen der Moderatoren und Schüler, stellten zum Teil Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten heraus, so dass die Schüler einen Überblick über die jeweiligen Standpunkte der Kandidaten erhalten konnten.

Nach dieser intensiven Vorbereitung und Einführung der Schülerinnen in die derzeitige Lage der Politik, konnte die von den Lehrkräften der Fachschaft Politik & Wirtschaft initiierte und vorbereitete Juniorwahl von allen wahlberechtigten Schülerinnen am 21. September durchgeführt werden. Das Forum diente als Wahllokal, auf den Tischen hielten die Wahlhelferinnen die Wählerinnenverzeichnisse bereit und registrierte die Stimmabgabe auf authentischen Wahlzetteln des Wahlkreises Bergstaße. Professionelle Wahlkabinen sicherten die geheime Stimmabgabe zu, die Wahlscheine wurden in einer verplombten Urne gesammelt. An der Liebfrauenschule gaben 86% der 320 wahlberechtigten Schülerinnen ab Klasse 9 bis Q3 ihre Stimme ab. In ganz Deutschland beteiligten sich 83% der wahlberechtigten Jugendlichen an der Juniorwahl. Die  bundesweiten Juniorwahlergebnisse ergaben für die CDU 27%, an der LFS waren es 33%, womit die CDU zur stärksten Partei unter den Jugendlichen avancierte. Gefolgt wurde sie von der SPD mit 19,3%, die an der LFS 19% erhielt und den Grünen mit 17,9%, beziehungsweis stattlichen 31% an der LFS!

Anders als bei der offiziellen Bundestagswahl ist die AFD mit 6% (LFS 2%) bei der Juniorwahl die schwächste Partei. Die Schülerinnen der Liebfrauenschule fanden, dass die Juniorwahl eine positive Erfahrung war, weil Viele sich das erste Mal überhaupt mit den Parteien und ihren Positionen beschäftigt haben und es dabei auch um etwas ging, nämlich eine eigene Meinung zu entwickeln und entsprechend die Stimme bei den Juniorwahlen abgeben zu können. So wurde das Interesse an der Politik geweckt.

Schülerinnen des PoWi-Kurses Schalhorn (Q1), Oktober 2017