Jubiläum: 40 Jahre Schüleraustausch zwischen der Liebfrauenschule und dem Collège-Lycée du Saint Coeur in Beaune

Vor genau vierzig Jahren fand der erste Schüleraustausch zwischen der Liebfrauenschule Bensheim und dem - ebenfalls unter katholischer Trägerschaft geführten – Collège-Lycée du Saint Coeur in Beaune statt, aus dem sich sowohl ein fest verankerter Baustein im Programm beider Schulen als auch eine herzliche und stabile Freundschaft entwickelten.

Beide Seiten wissen um die immense Bedeutung, die einer Schulpartnerschaft zukommt. So ist sie nicht nur als Motivationsschub für die Jugendlichen, die die Muttersprache des Nachbarlandes erlernen wollen, als Möglichkeit zum Hineinschnuppern in die Sitten und Gebräuche einer anderen Kultur und zum Kennenlernen der wunderschönen Bergstraße und des Burgunds gedacht, sondern insbesondere als wichtiger Beitrag zur Völkerverständigung. Könnten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle miterleben, zu welchem Erfolg ihr am 22.01.1963 unterzeichneter Elysée-Vertrag oder deutsch-französischer Freundschaftsvertrag führte, in dessen Gefolge das deutsch-französische Jugendwerk, zahlreiche Schul-, Vereins- und Städtepartnerschaften als Garant für Frieden und Versöhnung ins Leben gerufen wurden und der vor allem für den festen Willen stand, nie wieder Krieg zwischen den ehemaligen „Erzfeinden“ zuzulassen, so wären sie sicherlich stolz auf ihr Werk, auf die herzliche Freundschaft und Verbundenheit zwischen Deutschland und Frankreich. Betrachtet man gewisse Tendenzen, die den Weltfrieden aktuell gefährden, so müsste diese Erfolgsgeschichte alle Verantwortlichen umso deutlicher auf den Plan rufen, sich verstärkt für die Völkerverständigung als Basis für einen dauerhaften Frieden einzusetzen.

In diesem Sinne empfing auch der Erste Stadtrat, Helmut Sachwitz, die französischen Austauschschüler am ersten Tag nach ihrer Ankunft am 14.12. 2017 im Bensheimer Rathaus, indem er auf die enorme politische Bedeutung der Städtepartnerschaft nicht nur mit Beaune, sondern auch mit den anderen Partnerstädten Bensheims hinwies.

Mit dem Geschenk, das die Stadt großzügigerweise den Jugendlichen zukommen ließ, wurden die Gäste nicht nur erfreut, sondern man brachte ihnen auch ein Stück deutscher Kultur näher, da Frühstücksboxen und Trinkflaschen (beide mit dem Wappen der Stadt versehen) den Franzosen als Behältnisse für ein Picknick zwar bekannt, aber für ein zweites Frühstück in der Schule völlig fremd sind, da es ein solches nicht gibt. Überhaupt wundern sich die französischen Jugendlichen, die zu Besuch kommen, jedes Jahr aufs Neue über die vielen kleinen Zwischenmahlzeiten , die die meisten deutschen Mitschüler zu sich nehmen, sind doch Snacks außerhalb der drei Hauptmahlzeiten in Frankreich unüblich.

Nicht weniger herzlich wurden die Franzosen anschließend von der Schulleitung der LFS empfangen und bei einer Stadtführung ausführlich in die Geschichte Bensheims eingeführt. Ein gemeinsamer Besuch des Weihnachtsmarktes rundete den ersten Tag ab.

Natürlich darf auch die Teilnahme am Unterricht nicht fehlen, die –genau wie das Kennenlernen der Gastfamilien – viele Möglichkeiten bietet, in eine andere Kultur einzutauchen, Vergleiche anzustellen und neue Erfahrungen zu sammeln. Daneben hatten die Jugendlichen ausreichend Gelegenheit, sich auszutauschen: beim gemeinsamen Eislaufen in Darmstadt, beim Eishockey-Spiel der Mannheimer Adler, beim Weihnachtsplätzchenbacken in der Schulküche der LFS und bei Ausflügen nach Heidelberg und Marburg an der Lahn.

Während  den meisten Schülern Heidelberg –zumindest vom Hörensagen – bekannt war, so bot der Ausflug nach Marburg viel Überraschendes, z.B. die Tatsache, dass mehr als ein Drittel der Marburger Bevölkerung Studenten sind, dass in keiner anderen Studentenstadt Deutschlands so viele Studierende in einer Wohngemeinschaft wohnen (auch die Brüder Grimm lebten in einer solchen), dass es in der Oberstadt mehr Treppen als Gassen zu geben scheint und dass einem die Brüder Grimm und ihre Werke auf Schritt und Tritt begegnen, z.B. findet man beim Bummel durch die Stadt verschiedene Märchensymbole auf dem „Grimm-Dich-Pfad“. Dies ist nicht weiter verwunderlich, schließlich verbrachten die Brüder ihre Studienzeit in der Universitätsstadt und waren durch ihre Forschungen an der Geschichte der deutschen Sprache , durch das Verfassen der ersten Bände einer Grammatik und eines Wörterbuchs der deutschen Sprache, durch das Sammeln alter Volksmärchen und Sagen und eine umfassende Erhebung verschiedener Dialekte (zu finden im Deutschen Sprachatlas in Marburg) maßgeblich am Entstehen der Germanistik als Wissenschaft beteiligt.

Des Weiteren wurden in der Oberstadt das Landgrafenschloss, verschiedenste Gässchen und der Marktplatz mit der außergewöhnlichen Rathausuhr sowie im unteren Teil der Stadt die von den Marburgern liebevoll genannte „E-Kirche“ (Elisabethkirche) besichtigt.

Voraussetzung für einen gelingenden Austausch ist natürlich die Bereitschaft der Gastfamilien, die Jugendlichen aufzunehmen und ihnen für kurze Zeit ein neues Zuhause zu geben, sodass diesen ein besonderer Dank zukommt.

Organisiert und durchgeführt wurde der Austausch von der französischen Kollegin Véronique Lang und auf deutscher Seite von der Französischlehrerin Margret Degenhardt, die sich freuen, den Schülerinnen und Schülern des Saint Coeur und der LFS jedes Jahr die Möglichkeit zur sprachlichen und kulturellen Bereicherung bieten zu können.