Abiturientinnen feiern das „Loslassen“

G. Scharf (BA)

Akademische Feier für 45 Absolventinnen mit vielen aufmunternden und mutmachenden Worten

Es wurde viel gelacht, oft laut applaudiert und hier und da ein kleines Tränchen verdrückt. Bei der Feier zur Verabschiedung der Abiturientinnen der Liebfrauenschule (LFS) mit anschließender Verleihung der Abiturzeugnisse in der Stadtkirche von Sankt Georg richteten die Festredner viele gute und aufmunternde Worte an die Absolventinnen – verbunden mit dem Wunsch, sich nicht manipulieren und „abspeisen“ zu lassen, sich stattdessen zu „positionieren“ und den eigenen Standpunkt zu vertreten. Gerade dann, wenn sich Widerstände auftun und sich Hürden aufbauen.

Ökumenischer Gottesdienst in Sankt Georg

Der akademischen Feier vorausgegangen war ein ökumenischer Gottesdienst zum Thema „Loslassen“ mit der evangelischen Schulpfarrerin Carmen Oestreich und Religionslehrerin und Mitglied des Schulleitungsteams Anette Loga. Auf der Titelseite des Liederheftes war – dem Motto entsprechend – ein Schülerinnen-Gemälde an der Schulhofmauer der LFS abgebildet, das ein kleines Mädchen mit einem roten, davon fliegenden Ballon zeigt, inspiriert von Banksys „Girl with Ballon“.

Im Anschluss an den Gottesdienst trafen sich die jungen Erwachsenen, die ab sofort neue Wege beschreiten, ein Studium oder eine Ausbildung beginnen, ein Soziales Jahr in Betracht ziehen oder für längere Zeit ins Ausland reisen mit ihren Eltern, Angehörigen und Freunden zu einem Sektempfang im Hof der Schule.

Auch am Rednerpult in der Kirche war ein roter Luftballon angebunden, der sich zwar nicht löste aber dennoch symbolisch das Motto „Loslassen“ auch dort widerspiegelte. 45 Abiturientinnen haben ihre Abschlussprüfungen bestanden und konnten mit Stolz ihre Zeugnisse in Empfang nehmen. Vier Schülerinnen schafften den Abi-Marathon mit der Traumnote 1,0.

Und es gab noch mehr gute Nachrichten. Mit einem Notendurchschnitt von 1,94 ist der Abiturjahrgang 2024 der erste an der LFS mit einer 1 vor dem Komma und sogar etwas besser als das Hessische Landesabitur. Für diese besondere Leistung gab es von den Eltern der Abiturientinnen und den Tutorinnen und Tutoren reichlich Beifall.

Schulleiter Mirko Schnegelberger verabschiedete die ehemaligen Schülerinnen mit heiteren, aber auch nachdenklichen Worten „ins echte Leben“. Die LFS habe das Welt- und Menschenbild der jungen Frauen geprägt zeigte sich der Pädagoge überzeugt, der darauf vertraute, dass diese am Ende ihrer Schulzeit Antworten auf viele ihrer Fragen gefunden haben.

Was ist gerecht oder ungerecht, was ist interessant oder langweilig und wie sieht die persönliche, ganz individuelle Vorstellung von Erfolg aus. Lockt das schnelle Geld, Aufstieg, Karriere, teure Kleider, Resilienz oder Freiheit? „Seid ehrlich mit euch selbst und überlegt genau, was ihr wirklich möchtet oder was andere euch einreden“, animierte Schnegelberger die Abiturientinnen nicht als folgsame Untertanen durchs Leben zu gehen, sondern ihren eigenen Standpunkt zu vertreten und sich auch in Zukunft weder von Tiktok, Google, RTL, Dieter Bohlen oder Influenzern beeinflussen zu lassen. Hier unterscheide sich die Schule ganz gravierend: „Wir meinen es gut mit Euch. Trefft eure eigenen Entscheidungen und nutzt eure Chancen.“

Rolf Schneider sprach anschließend auch im Namen der übrigen Tutorinnen und Tutoren zu den Abiturientinnen und verlangte den Zuhörern mit einem Exkurs zu Kaiser Wilhelm II und dessen aggressiver Außenpolitik, dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und einem Zitat von August Bebel „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten“ ein gerütteltes Maß an Aufmerksamkeit ab. Zurück in der Gegenwart bescheinigte er den Absolventinnen „großes Durchhaltevermögen und harte Arbeit. Sie haben ihre Reife eindrucksvoll gezeigt, sie sind zielstrebig und verantwortungsbewusst geworden.“ Die LFS habe mit einer Wertevermittlung auf Basis der christlichen Lehre die neunjährige Schulzeit an der „katholischen Mädchenschule“ geprägt.

Mutig sein, Dinge ausprobieren, Experimente wagen, sich trauen, die Neugierde behalten und sich für Dinge begeistern, dazu animierte der Elternvertreter die 45 Hauptpersonen der akademischen Feier – auch wenn nicht immer alles nach Plan laufe. „Sucht etwas, was euer Ding ist und was euch glücklich macht.“

Mit sehr persönlichen Worten und Erinnerungen an eine „unvergessene Zeit“ an der LFS wandte sich Hannah Ferber an ihre Ex-Mitschülerinnen und dankte allen Begleitern auf dem Weg zum Abitur, insbesondere dem „Goldenen Tutoren-Trio“, dass sie gestärkt und gefördert haben, damit sie mit großem Vertrauen zukünftig ihren eigenen Weg gehen können.

Eine Vertreterin des Fördervereins verabschiedete die Abiturientinnen mit „tausend guten Wünschen, Gottes Segen und großem Respekt vor deren Leistungen.“

Mit der feierlichen Übergabe der Abschlusszeugnisse als wichtigster Programmpunkt und Ehrungen für herausragende Leistungen und ehrenamtliches schulisches Engagement, wurde die Feierstunde beendet.

Felicia Freund (Cello), Michel Laurendi (Klavier), Linn Christensen und Anna-Katharina Rossius (Gesang) sowie Gerhard Bönig auf dem Klavier sorgten für eine äußerst angenehme musikalische Begleitung. Der Leistungskurs Deutsch überraschte mit einem kreativen Beitrag.