Elektronische Bürgersteige und intelligente Rasensprenger

Wie viel Sonnenöl verträgt ein Badesee? Wie brandsicher sind Dämmstoffe? Und unter welchem Licht fühlen sich Tiere und Pflanzen eigentlich am wohlsten? Fragen, die beim Regionalwettbewerb von Jugend forscht in Lampertheim genau beantwortet wurden. Bei der BASF trafen sich am Samstag 43 Jungforscher mit ihren 20 spannenden Projekten – darunter viele Geistesblitze mit alltagspraktischem Potenzial.

Die öffentliche Präsentation der Wettbewerbsarbeiten war hervorragend besucht. Alle Teams hatten ihre Experimente aufgebaut und erläuterten Gästen wie Juroren die Details ihrer Projekte. Und das so eloquent und fachpräzise, dass selbst große Wissenschaftler Augen und Ohren machten. Zum Beispiel am Demo-Rasen von Thanos Drossos. Der Tüftler besucht das Schuldorf Bergstraße in Seeheim-Jugenheim und hatte bereits im vergangenen Jahr mit einem dualen Steckdosensystem die Jury überzeugt. Diesmal präsentierte der Technik-Freak einen intelligenten Rasensprenger, der Wasser spart und sogar vom Smartphone aus steuerbar ist.

Viele Schüler kommen mehrfach

Ein Ultraschallsensor misst zunächst die Fläche aus, nach der Berechnung in einem Mikrocontroller werden die Daten an einen flexiblen Sprinkler geschickt, der das Nass präzise und gleichmäßig dorthin bringt, wo es landen soll. Laut Thanos (16) mit einer Effizienz von über 90 Prozent. „Konventionelle Systeme schaffen 60 bis 70 Prozent“, so der Tüftler.

Viele Schüler kommen immer wieder. Einige führen ein und dasselbe Projekt weiter, um es zu verfeinern. So auch ein Forschertrio aus Seeheim, das ein elektronisches Spielzeug für Hunde entwickelt hat. Durch ein Geruchsmodul kann man das Tier duftmäßig bei Laune halten. Eine bissfeste Hülle war natürlich Pflicht.

Studien vor Ort geplant

Von der Geschwister-Scholl-Schule in Bensheim kommen zwei junge Öko-Aktivisten, die herausfinden wollten, wie viel Sonnencreme ein Badesee verträgt, bis es für die dort lebenden Organismen problematisch wird. „Der Ölfilm auf der Wasseroberfläche blockiert die UV-Strahlung der Sonne“, erklärt Felix Flamm (16). Irgendwann bekommen die Pflanzen darunter nicht mehr ausreichend Licht für die Photosynthese. Für ihren Versuch haben sie Wasserlinsen und Wasserflöhe verwendet. „Ohne den Organismen zu schaden“, betonen die Schüler. Im Sommer wollen sie ihre Erkenntnisse noch weiter vervollständigen: Wenn die Badesaison beginnt, sind Studien vor Ort vorgesehen. „Außerdem wollen wir wissen, welche Stoffe in der Sonnencreme für das Ökosystem schädlich werden können“, so Alex Hairapetow.

Um Pflanzen und Tiere geht es auch bei einem Projekt an der Liebfrauenschule. Nele Marie Kaiser, Hannah Ferber und Nura El-Bitar (alle 13 Jahre alt) haben den Einfluss der Lichtfarbe auf Lebewesen untersucht. „Es gibt ja spezielle Lampen für Tiere und Pflanzen“, berichtet Nele aus der Forscherpraxis. „Wir haben ausprobiert, wie die Lebewesen unter vier verschiedenen Lichtfarben reagieren“, ergänzt Hannah. Ihre Probanden waren Kongo-Rosenkäfer, Grillen und Pflanzensprossen. Ergebnis: die Pflanzen sind unter jedem Licht gleich gut gewachsen. Einflüsse der Farbe können sie daher zunächst einmal ausschließen. Die Käfer haben sich bevorzugt unter dem warmen Tierspeziallicht aufgehalten. „Das ist wohl ihrer Herkunft geschuldet“, sagt Nura. Demnächst wollen sie ihre Versuche mit verschiedenen LEDs fortsetzen.

Orientierung für Sehbehinderte

Es gab viel zu sehen bei Jugend forscht: Der 14-jährige Sarthak Saxena (Schuldorf) hat einen elektronischen Bürgersteig entwickelt, der Sehbehinderten eine Orientierungshilfe bietet. Sara Klüss (13) und Patricia Bolle (12) aus der Liebfrauenschule haben dokumentiert, wie sich der Nitratgehalt und die Härte des Wassers mit und ohne Wasserlinsen entwickeln. Am Goethe-Gymnasium haben Katharina Volk, Julius Guenther (beide 16) und Daniel Schröter (17) untersucht, wie man Schwefelsäure als Wärmespeicher verwenden kann. Unter den zahlreichen Gästen waren Vertreter aus Politik und Forschung, Schule und Wirtschaft.

Die Sieger im Bereich "Schüler experimentieren":

Arbeitswelt: 1. Sarthak Saxena (14), Schuldorf Bergstraße Seeheim-Jugenheim; 2. Laurin Wiedemann (12), Erich Kästner-Schule Bürstadt

Biologie: 1. Nele Marie Kaiser (13), Hannah Ferber (13), Nura El-Bitar (13), Liebfrauenschule Bensheim; 1. Lukas Röder (11), Max Lahne (12), Dreieichschule Langen; 2. Sara Klüss (13), Patricia Bolle (12), Liebfrauenschule Bensheim

Chemie: 1. Magnus Bergmann (13), Goethe-Gymnasium Bensheim; 2. Timo Ulpins (12), Dario Strubel (12), EKS Bürstadt

Mathematik/Informatik: 1. Finn Bender (13), Florian Meyer (14), Schuldorf Seeheim-Jugenheim

Physik: 1. Tim Jaeger (14), Marlon Herman Herschbach (14, Marc Lippok (13), Schuldorf Seeheim-Jugenheim

BA, 27.02.2018