Schülerinnen der Q2 gewannen Wettbewerb

Groß war die Freude, als bekannt wurde, dass die Schülerinnen Antonia Dirr und Zoe Pardon aus dem Religionskurs der Q2 unter den Gewinnern waren. Sie hatten  mit Unterstützung von Lea Jährling und Xenia Nonnemann an einem Essaywettbewerb zum Thema „Der echte Ring vermutlich ging verloren“ (G.E. Lessing) – Zum spannungsreichen Verhältnis von Religion und Wahrheit teilgenommen, den die Junge Akademie des Bistums Mainz und das interdisziplinäre Forschungsprojekt  "Analytic Theology –The Nature of God" (Uni Innsbruck) ausgeschrieben hatten.

In „Chuck Norris und die Religion" beschäftigt sich der Protagonist Claas, wie es für einen Jugendlichen in seinem Alter üblich ist, mit zwei Problemen: Mädchen und Religion.

Zitat aus der Sieges- Mitteilung: "Aus über 150 Einsendungen aus Deutschland und Österreich ragt Ihre Arbeit in besonderer, exzellenter Weise heraus. Als Preis und Anerkennung dieser Leistung laden wir Sie hiermit …zu einer viertägigen Summer School …ein."

Wir freuen uns über den Erfolg und beglückwünschen die Siegerinnen von Herzen.

Chuck Norris und der Glaube

Wie vermutlich jeder Junge mit Flaumbart und Pickeln auf den Wangen, hing Claas am liebsten mit seinen Freunden rum. Und wie vermutlich jeder Junge, der den Samstagabend lieber mit Michelle auf dem Schoß als den Eltern auf dem Buckel verbringt, suchte Claas oft den Rat bei seinen Freunden. Diese schienen auch immer ein offenes Ohr für ihn zu haben, wenn seine Freundin Anna-Lena mal wieder komisch war. Sie hatten dann auch immer eine Antwort auf seine Fragen, denn wenn es hieß, warum Frauen nicht Skifahren können, antworteten sie, dass ja im Schlafzimmer und in der Küche kein Schnee liege. Doch im Moment wurde Claas von anderen Gedanken geplagt, als von denen, ob der blöde Herr Bach ihm trotz seiner geschriebenen 6 nicht doch eine 3 geben könne, weil das ja schließlich die Aufgabe eines Lehrers sei, oder? Diesmal hielt ihn der Gedanke, ob irgendjemand anderes vielleicht an seinem Leben beteiligt ist, vom Schlafen ab. Nicht irgendein übermächtiger Jedi, obwohl er sich das insgeheim wünschte, sondern eine andere zweite Person. War es überhaupt eine Person oder doch etwas anderes? Doch sobald Claas den Druck spürte, der ihn erfasste, als er zu lange über die Frage nachdachte, beschloss er für die restliche Nacht über die Tiefen Michelles Ausschnitts nachzudenken, anstelle die, der Welt. Am nächsten Morgen jedoch ließen ihn die Gedanken nicht los und so beschloss Claas seine Freunde in der Pause zu fragen. Johannes, den er als erstes fragte, konnte ihm keine wirkliche Antwort geben, da er wie jede Pause mit Zigarette in der Hand und mit den Gedanken irgendwo anders war. Claas‘ nächster Blick fiel auf Steve, der zwar Religion immerzu schwänzte, aber trotzdem die schlauste Person war, die er kannte. „Gandhi hat einmal gesagt: Der Glaube ist eine sechste Art von Sinn, der wirksam wird, wenn die Vernunft versagt.“ Claas wurde aus diesen Worten nicht schlau und so ging er mit verwirrten Gedanken und Gefühlen in die nächste Deutschstunde.

Mit Steves Worten im Hinterkopf fiel es Claas schwer, sich Zuhause auf sein Videospiel zu konzentrieren. Was hatte Steve damit gemeint? Claas dachte bisher immer, dass alles so sei, wie der Mathe Lehrer Herr Bach es ihnen immer predigte: „In der Welt gibt es nur schwarz/weiß Antworten.“ Da Mathe jedoch für Claas nur aus Unbekannten bestand, war es verwunderlich, dass er diesen Satz überhaupt verstehen konnte.

Claas‘ Gedankenfluss wurde von der schrillen Stimme seiner Mutter gestört, die ihn zum Essen rief. Beim Abendessen beschloss Claas die Gelegenheit zu nutzen und seine Eltern auf seine Gedanken anzusprechen. Während er also den Kartoffelsalat auf seinen Teller schaufelte, versuchte er seine Frage ganz beiläufig zu stellen. Die Eltern, innerlich verwirrt, hielten inne, um seine Frage zu verstehen. Hat Claas das gerade wirklich gefragt? „Gott, hoffentlich hat das nichts mit seinen Internet Freunden zu tun“, dachte sich die Mutter. Der Vater, sichtlich überfordert mit dieser Situation, fühlte sich verpflichtet, als Vater den Sohn zu erziehen: „Woher hast du das denn schon wieder aufgeschnappt? Du bist doch getauft, das weißt du doch. Nutze deine Zeit lieber, um für die nächste Matheklausur zu lernen.“ Die Mutter merkte, dass in ihrem Sohn etwas vorging und sprach: „Schatz, niemand kann beantworten, ob es eine wahre Religion, geschweige denn einen wahren Gott gibt. Diese Antwort offenbart sich uns erst am Ende unserer Tage. Ich glaube auch nicht, dass es unsere Aufgabe ist, die eine wahre Religion zu finden und damit alle anderen für falsch zu erklären. Solange du an deinem Glauben festhältst und alles für diesen tust, kannst du auf Gottes Vertrauen bauen. Ich glaube fest daran, dass Gott uns letztlich alle gleich liebt, egal welcher Religion man angehört.“ Auf die Aussage hin breitete sich ein langes Schweigen am Tisch aus. Claas aß seinen Kartoffelsalat weiter brav auf und dachte über die Worte seiner Mutter nach. Ihn frustrierte die Tatsache, dass sie ihm keine klare Antwort geben konnte. Hieß das, dass es nur einen Gott gab, und der nun alle gleich liebte? Auch den blöden Sven aus der 9d, der ihn immerzu ärgerte? Oder seine kleine Schwester, die ihn im Moment Stunden im Bad brauchte? Zurück in seinem Zimmer, beschloss Claas das Internet nach seinen Fragen zu durchforsten. Das Internet gebe ihm schon eine präzise Antwort, dachte sich Claas. Doch als Claas den Begriff „wahre Religion“ in die Suchmaschine eingab, wurden ihm nur Artikel unverständlicher Philosophen vorgeschlagen. Claas verfolgte beim Thema Lesen ganz getreu das Motto von Chuck Norris: Er müsse keine Bücher lesen, sondern sie nur so lange anstarren, bis sie ihm freiwillig sagen würden, was er wissen wolle. Verärgert über die Ergebnisse seiner Suche versuchte Claas sein Glück in einem anonymen Chatroom. Als „Worldterminator007“ eingeloggt, schrieb Claas folgenden Chateintrag:

Worldterminator007: „Hey Leute! Könnt ihr mir vielleicht sagen, ob ihr schon einmal Erfahrungen mit einem übernatürlichen Wesen (vielleicht sogar Gott?) gehabt habt oder in einer unerklärbaren Situation gewesen seid? Ich bin nämlich auf der Suche nach der einzig wahren Religion und niemand konnte mir bisher eine eindeutige Antwort geben. Bitte schickt auch eine Begründung, weshalb ihr meint, die richtige Religion gefunden zu haben.

Nur kurze Zeit später leuchtete sein Bildschirm voller Antworten auf seine Frage bunt auf.

Dragonfighter: „Meine Eltern sind beide Moslems und so haben sie mich auch mit dem Glauben des Islams großgezogen. Seit ich denken kann lehren mich meine Eltern und der Islam nach diesen Regeln zu leben. Ob ich glaube, dass der Islam der wahre Glaube ist? Für mich hat sich der Islam als wahre Religion mehrfach bewiesen. Wenn ich nicht mehr weiterwusste oder ein Familienmitglied von uns gegangen ist, konnte ich durch den Glauben und mein Vertrauen auf Allah neue Hoffnung schöpfen. Dich jedoch versuchen zu überreden, dass der Islam auch allgemein der wahre und richtige Glauben ist, halte ich für verkehrt und verfehlt die Aufgabe eines Glaubenden. Man muss sich selbst von der Wahrhaftigkeit einer Religion überzeugen und für sich selbst die eine wahre Religion finden.“

Jakob_99: „Diese Antwort halte ich für komplett falsch. Es kann meiner Meinung nach nur eine richtige Religion geben, das Christentum. Alle andern sind falsch und werden durch die richtige Religion widerlegt. Das Christentum kann einfach nur die richtige Religion sein. Allein schon durch die Betrachtung der Anhängerzahlen erkennst du, dass sie die einzig wahre Religion sein kann.“

Luisa_xx: „Ich glaube, dass es keine richtige Religion geben kann. Man muss nur einen Blick auf die vielen Leidenden, die es auf der Welt gibt, werfen. Welcher Gott würde die Menschen so leiden lassen? Wenn die Bibel uns doch lehrt, wie barmherzig und liebevoll Gott ist, wieso gibt es dann so viel Hass und Elend auf der Welt? Also ich für mich glaube fest daran, dass es für alles eine wissenschaftliche Erklärung gibt.“

Pinguinlover: „Nein, ich glaube schon, dass es einen Gott gibt. Unser Vorstellungsvermögen reicht nur nicht für die allumfassende Größe seiner Macht aus. Es gibt einfach Dinge, die sich bis jetzt nicht durch die Wissenschaft erklären ließen. Einstein hat einmal gesagt: ‚Jedem tiefen Naturforscher muss eine Art religiösen Gefühls naheliegen, weil er sich nicht vorzustellen vermag, dass die ungemein feinen Zusammenhänge, die er erschaut, von ihm zum ersten Mal gedacht werden. ‘ Und an anderer Stelle: ‚Meine Forschungen haben ergeben, dass hinter all der Welt, mit der wir uns befassen, ein großer Orchesterdirigent sein muss, der alles lenkt und der unser Gutes will1. ‘ Du siehst also, auch Wissenschaftler können bis heute nicht durch wissenschaftlichen Belege die Existenz einer Gottheit widerlegen. Ich sehe hinter all dem, was uns umgibt, auch eine höhere Macht, die für all dies verantwortlich ist. Natürlich bestreite ich nicht, dass manche religiösen Theorien durch die Wissenschaft für falsch erklärt wurden. Allerdings heißt das nicht, dass Wissenschaft und Religion nicht auch zusammen funktionieren können. Die Frage, wie die ersten Zellen auf die Erde kamen, ist bis heute zum Beispiel auch nicht durch die Wissenschaft genau zu beantworten. Religion und Wissenschaft schließen sich also nicht zwangsläufig aus oder, wie Einstein einmal sagte: ‚Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind‘.“

Claas‘ Kopf schwirrte bereits nach den ersten Kommentaren und so schaltete er nicht nur seinen Laptop, sondern auch seinen Kopf für eine Weile aus. Spät am Abend als Claas bereits im Bett lag, versuchte er seine Gedanken zu sortieren. Alle Personen, die er gefragt hatte, gaben ihm unterschiedliche Antworten. Trotzdem hatten sie alle das gleiche Fundament, auf dem sie ihre Meinungen begründeten. Gott war der letzte und endgültige Richter und nur er allein konnte über die Wahrhaftigkeit der Religionen urteilen. Dies war nur möglich, solange alle Religionen nichts als die Wahrheit anstrebten ohne sich gegenseitig über die anderen zu platzieren. Claas verstand nun endlich, wieso ihm niemand eine unfehlbare Antwort geben konnte. Niemand kann diese Frage eindeutig beantworten. Claas verspürte nicht länger das Bedürfnis, nach einer richtigen Religion zu forschen. Stattdessen sah er ein, dass es gar nicht um die eindeutige Richtigkeit einer Religion ging. Alle Religionen, die auf Gott bauen, haben ihre Richtigkeit, aber auch unerklärbare Elemente. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse und Nöte. Nicht jeder kann sich von der gleichen Religion verstanden fühlen. Er sah ein, dass es auch gar nicht darum ging, seinem Glauben einen Namen zu geben. Der Glaube sollte etwas ganz Persönliches sein. Es werden immer Meinungsdifferenzen, sowohl zwischen Menschen, als auch zwischen den Religionen geben. Bevor Claas die Augen zufielen, dachte er noch an einen Witz: „Jesus lief übers Wasser. Chuck Norris schwamm durchs Land.“

1 www.evangeliums.net/zitate/albert_einstein.htm