61 Abiturientinnen erhielten ihre Abschlusszeugnisse

Kritisches Denken und Humor vermittelt

 

Heitere und besinnliche, vor allem aber aufmunternde und Mut machende Worte bekamen 61 Abiturientinnen der Liebfrauenschule (LFS) bei ihrer Verabschiedung und der anschließenden Zeugnisübergabe am Mittwoch zu hören. Wie üblich ging der akademischen Feier ein ökumenischer Gottesdienst mit den Schulpfarrern Carmen Oestreich und Heinz Förg in der Pfarrkirche Sankt Georg sowie ein anschließender Sektempfang im Schulhof Maria Ward voraus.

Dass die künftigen „Ehemaligen" dabei ein kleines, symbolisches Zeichen setzten und 61 pinkfarbene Luftballons in den Himmel steigen ließen, kam bei Angehörigen und Lehrerkollegium der LFS gleichermaßen gut an. Komplimente wurden den Abiturientinnen auch an anderer Stelle für ihren „beeindruckenden Abigag mit sehr persönlicher Note – und das ganz ohne Wasserspritze und Pumpgun" gemacht.

Schulleiterin Sabine Nellessen-Kohl zeigte sich in ihrer Ansprache an die Absolventinnen und deren Eltern überzeugt, dass die jungen Frauen die Schule nunmehr „fachlich gut vorbereitet und hoffentlich gut gerüstet für Neues“ verlassen. Man habe ihnen obendrein soziale Kompetenz vermitteln können: „Das Miteinander der Schulgemeinschaft wurde an der Liebfrauenschule immer schon groß geschrieben." Es sei wichtig, aufeinander zuzugehen, miteinander umzugehen und eine freundschaftliche Brücke zu anderen Menschen zu bauen. Dies, so Nellessen-Kohl, gebe Stabilität und Sicherheit. Was man allerdings nicht habe beibringen können, fuhr die Direktorin schmunzelnd fort, seien Gebrauchsanweisungen für die Bearbeitung einer Steuererklärung, den Abschluss einer Versicherung oder eines Mietvertrages.

Für ihre letzte Ansprache an die Abiturientinnen des Jahrgangs 2018 nach acht gemeinsamen Schuljahren, hatte sie das Thema Brücken gewählt, auch deshalb, weil keine andere Schule im Kreis vermutlich eine so symbolträchtige Architektur vorweist, die unterschiedliche Gebäudeteile durch etliche Brücken miteinander verbindet.

Brücken, so Nellessen-Kohl, symbolisierten „das, was wir versucht haben, ihnen beizubringen, Brücken zu schlagen, aufeinander zuzugehen und sich auf Unbekanntes einzulassen". Sie schafften Verbindungen in beide Richtungen, ermöglichten es, Abgründe sicheren Fußes zu überwinden und heben Trennungen auf.

„Reich, schön, Privatschüler"

Ein großes Lob sprach die Schulleiterinnen den Abiturientinnen dafür aus, dass sie „eine Brücke der Solidarität zu den weniger privilegierten Schülerinnen in Simbabwe geschlagen haben" und Einnahmen aus Basaren und anderen Aktionen Partnerschaftsprojekten der Congregatio Jesu in dem afrikanischen Land zukommen ließen. Dass eine Abiturientin einen Teil ihres Preisgeldes, das sie beim Rotary-Wettbewerb „Jugend hilft" erhalten habe, für Simbabwe spende, erfülle sie mit Genugtuung und Stolz.

Für die Tutoren ergriff Markus Leyh das Wort und kündigte gleich zu Beginn an, dass er trotz der kurzen Dauer seiner exakt sieben Minuten und 56 Sekunden dauernden Rede versuchen werde, dieser Würde zu verleihen. Was ihm ausgesprochen gut gelungen ist. Vor allem aber lockerte er die Feier mit humoristischen Anekdoten und Anspielungen auf. „Seien Sie dort draußen genau so frech und unangepasst wie in ihrem Abitursmotto", ermunterte er seine ehemaligen Schülerinnen.

Allen, die es bis dato nicht gewusst haben, verriet er den Leitsatz der Schulabgängerinnen 2018: „Reich, schön, Privatschüler." Insbesondere zeigte sich Leyh davon angetan – und erntete für seine Bemerkung viele Lacher –, dass man den Gender-Auswüchsen ein Schnippchen geschlagen und es beim –schüler anstelle der -schülerinnen belassen habe.

Während der Schulzeit an der LFS habe man versucht, kritisches Denken, aber auch den „Humor der Gebildeten", nämlich Selbstironie und das Aushalten von Dingen, auch wenn man sie nicht gut findet, zu vermitteln. „Das Wesentliche einer Persönlichkeit ist das Abweichende, oftmals etwas Störende", stellte er ein wenig provokativ in den Raum. Der Applaus von Jung und Alt war ihm sicher.

Die Glückwünsche an die Töchter für die bestandenen Prüfungen und den Dank der Eltern an Lehrer, Tutoren und Schulleitung, „die so manches wieder ins Lot gebracht und heinzelmännchengleich dafür gesorgt hat, dass der Betrieb in Bewegung bleibt", sprach Elternvertreterin Uta Voll aus. Sie erinnerte an den Schulwechsel an die LFS vor acht Jahren, an die Erleichterung mancher Schülerinnen (keine Jungs) und an die Skepsis anderer (keine Jungs?), an Klassenfahrten, durchfochtene Konflikte und neue Freundschaften.

„An der Liebfrauenschule konntet ihr, stärker als an anderen, auch spirituelle Erfahrungen machen", richtete Voll das Wort direkt an die Absolventinnen und wünschte ihnen, dass sie einen Weg finden, der ihren Neigungen und Fähigkeiten entspricht: „Es muss kein gerader Weg sein."

Noch vor der Ausgabe der Zeugnisse und den Ehrungen für herausragende Leistungen übermittelten Zoe Pardon und Sophie Rüdel die Glückwünsche der SV. Stellvertretend für ihre Mitschülerinnen bedankten sich die Abiturientinnen Anuschka Ritzert und Celine Jobst bei ihren Lehrern.

Musikalisch wurde die die Feierstunde von Marie-Sophie Eckert (Klavier), Pia Winnemöller, Valerie Voll (Gesang), Emilie Robenek (Violine) und A. Robenek (Klavier) bereichert.