Bischof Kohlgraf besucht die Liebfrauenschule

Gottesdienst in St. Georg

Gespräch mit den Schülerinnen der Oberstufe

Schule als Ort der Begegnung

Welche Aufgaben hat ein Bischof? Diese Frage beantwortete der Mainzer Bischof Kohlgraf so: „ vor Ort nicht über, sondern mit den Menschen ins Gespräch zu kommen“. So stand auch die Begegnung mit den Menschen an einem „normalen“ Schultag im Mittelpunkt seines Besuches am vergangenen Donnerstag. Die LFS, ein Gymnasium mit Realschulzweig, ist eine katholische Privatschule in Trägerschaft des Bistums Mainz. Dieser Tag begann mit einem festlichen Schulgottesdienst in St. Georg – voll besetzt mit jungen Mädchen. Zur Begrüßung machte die Schulleiterin, Frau Nellessen-Kohl, bewusst „dass das Bild, das beim Blick vom Chorraum ins Kirchenschiff entsteht, Zeugnis davon abgibt, dass Kirche lebt, sehr lebendig und auch sehr jung ist.“

Eine neue Grammatik lernen

 In der Tradition der Maria-Ward-Schwestern, die sich vor allem um die Mädchenbildung verdient gemacht haben, ist die Schule bis heute eine Mädchenschule. In seiner Predigt kritisierte Kohlgraf, dass in der heutigen Zeit das „Ich“ allzu sehr im Vordergrund stehe. Er forderte dazu auf, die heute übliche Reihenfolge „ich – du – er, sie, es…“ umzudrehen in die Reihenfolge: die Gemeinschaft trägt uns und bewegt uns dazu, den anderen im Blick zu haben, um dadurch den einzelnen zu stärken. Hier würde die sonst übliche Sichtweise geradezu umgekehrt. Solidarisches Denken und Handeln steht im Mittelpunkt

Neben Gesprächen mit der Schulleitung und der Schulseelsorge stand die Begegnung mit Schülerinnen der Oberstufe in der Mitte des Tages. Der von Kohlgraf geäußerten Einladung „ ich bin stabil“, wirklich  die sie bewegenden Themen anzusprechen, folgte denn  eine lange Liste von Fragen zur Stellung der Frau und Fragen der Sexualität in der katholischen Kirche, zur Eucharistiegemeinschaft und Ökumene, der  Verantwortung von Kirche  in politischen Konflikten und Problemen der Umweltethik. Der Mut der Schülerinnen, auch Brisantes anzusprechen, wurde durch große Offenheit und Gesprächsbereitschaft belohnt.

Zur Lage von Mädchen und jungen Frauen erklärte er: Er selbst sei 9 Jahre als Schulpfarrer, davon 4 Jahre in Köln an einer großen Mädchenschule mit 1700 Schülerinnen tätig gewesen. Dort habe er erlebt, was Mädchen „unter sich“ zu leisten imstande seien. Ausdrücklich ermunterte er die Schülerinnen sich Kompetenzen zu erwerben, sich z.B. auch in der Kirche an verantwortlichen Stellen zu bewerben.

Zu guter Letzt gab es am frühen Nachmittag noch die Gelegenheit zum Austausch mit dem Kollegium der Liebfrauenschule. Die Lehrerinnen und Lehrer einer katholischen Kirche bewegt die Frage, wie christliche Schule heute modern interpretiert wird und wie Mädchenbildung in Zukunft aussehen kann.

Dass eine solche Schule mit eigenem Profil eine Alternative zu staatlichen Schulen sein kann, hatte  Frau Nellessen-Kohl zu Beginn des Tages betont: „Von daher bin ich sehr froh, dass das Bistum Mainz als „Schulbistum“ eine im Vergleich recht große Anzahl von kirchlichen Schulen unterhält, erhält und zu Orten des Lernens, des Wachsens macht, an denen junge Menschen sich aktiv und engagiert mit den zentralen Fragen des Lebens und der Frage nach Gott auseinander setzen können.“

 Von der lebendigen Vielfalt an Angeboten können sich jetzige Viertklässlerinnen am Freitag, dem 17. Januar 2020, überzeugen – und am Mitmachtag teilnehmen.

 Interessierte Eltern sind zu zwei Infoabenden und gemeinsam mit ihren Töchtern zum „Schnuppertag“ (Sa, 25. Januar) eingeladen.