Das Bistum Mainz führt ab Sommer 2019 Schulgeld an den katholischen Schulen in Hessen ein

LFS: Eltern müssen künftig zahlen

Die Liebfrauenschule in Bensheim – die Eltern der Schülerinnen, die die katholische Mädchenschule besuchen, müssen künftig Schulgeld für ihre Kinder bezahlen.

Für die katholischen Schulen in Hessen muss ab kommendem Sommer Schulgeld gezahlt werden. Das teilte das Bistum Mainz jetzt in einem Brief den betroffenen Eltern mit. Die neue Regelung wird auch an der Bensheimer Liebfrauenschule gelten. Eltern müssen für ihre Kinder ab dem nächsten Schuljahr 90 Euro im Monat zahlen – zunächst gilt das lediglich für die Fünftklässlerinnen, die 2019 eingeschult werden. Ein Jahr später muss der Beitrag auch für allen anderen Schülerinnen gezahlt werden.

Vor rund acht Jahren wurde im Bistum Mainz schon einmal über die Einführung von Schulgeld diskutiert. Damals wurde das Vorhaben aber wieder zurückgestellt – man wollte versuchen, das Spendenaufkommen zu erhöhen. An der LFS wurde deshalb im Jahr 2011 ein freiwilliger monatlicher Beitrag von 35 Euro beschlossen, der von all denjenigen Eltern bezahlt wurde, „die wollten und konnten“, sagte Schulleiterin Sabine Nellessen-Kohl (Bild) gestern auf Nachfrage des BA. Das Geld floss als Spende direkt an den Förderverein und konnte für schuleigene Projekte verwendet werden.

Die Entscheidung für das Schulgeld sei nicht leicht gefallen, schreiben Generalvikar Udo Markus Bentz und Ordinariatsdirektorin Gertrud Pollak in ihrem Brief an die Eltern. „Aber wir möchten sicherstellen, dass trotz Rückgangs der Katholikenzahlen und sinkender Einnahmen aus der Kirchensteuer auch künftig ein schulisches Bildungsangebot auf der Basis des christlichen Menschenbildes gewährleistet werden kann.“

Die Bedingungen für eine stabile Schulfinanzierung seien in den letzten Jahren deutlich schwieriger geworden. Darum wolle das Bistum zum Erhalt seiner Schulen rechtzeitig verantwortungsvoll planen. „Gute Schule kostet Geld“, heißt es in dem Brief. „Die finanziellen Prognosen für das Bistum machen klar: Auf Dauer sind diese Summen durch die Kirchensteuer allein nicht aufzubringen.“

Schon bisher hätten Elternspenden vieles ermöglicht und den Schulträger entlastet. Die Katholischen Schulen müssten aber langfristig abgesichert und zukunftsfähig gemacht werden. Dazu brauche man Planungssicherheit mit festen Einnahmen. Bisher wendet die Diözese als Träger für die Finanzierung der katholischen Schulen nach eigenen Angaben pro Jahr etwa 15 Millionen Euro auf, davon mehr als zehn Millionen für die hessischen Schulen. Das Land Hessen bezuschusst zwar Schulen in freier Trägerschaft – dazu gehören auch die katholischen Einrichtungen – aus Steuermitteln. Trotzdem bleibe eine deutliche Finanzierungslücke für die Schulträger. In Hessen ist deshalb gesetzlich geregelt, dass Schulgeld erhoben werden darf, um die Deckungslücke zu schließen. Durch die Einführung des Schulgeldes rechnet das Bistum Mainz mit Einnahmen von rund 3,5 Millionen Euro im Jahr.

„Wir müssen realistisch sein“, beurteilt LFS-Schulleiterin Nellessen-Kohl die schwierige Finanzlage des Bistums. Der künftige Betrag sei mit 90 Euro moderat und decke damit noch nicht das Minus. Im Gegensatz zu den katholischen Schulen würden andere Privatschulen ein deutlich höheres Schulgeld erheben. „Wir sind am untersten Rand der Skala“, so Nellessen-Kohl.

Erfreut äußerte sich die Schulleiterin darüber, dass das Bistum weiterhin finanzschwächeren Familien den Besuch einer katholischen Schule ermöglichen will. In dem Schreiben heißt es dazu: „Auch in Zukunft soll kein Kind aus finanziellen Gründen vom Besuch einer katholischen Schule ausgeschlossen sein.“ Man könne sich das künftig ähnlich wie ein Stipendium vorstellen, das vergeben werde, um den Schulbesuch zu ermöglich.

Während solche Fälle bisher über die Schule selbst abgewickelt wurden, läuft der Antrag auf Minderung des Schulgeldes künftig über das Bistum in Mainz, wo ab Januar 2019 ein zentraler Ansprechpartner zur Verfügung stehen soll, um solche Fragen vertraulich zu klären.

Dass trotz der schwierigen Finanzlage des Bistums die katholischen Schulen mit ihrem christlichen Schwerpunkt erhalten bleiben müssen, steht für Sabine Nellessen-Kohl außer Frage. Daneben profitierten die Schülerinnen von einer „extrem guten Ausstattung“ und vielen zusätzlichen Angeboten, die an staatlichen Schulen so nicht selbstverständlich seien. Beispielhalt nennt sie eine höhere Unterrichtsabdeckung, deutlich kleinere Klassen und Kurse sowie ein umfangreiches Förderkonzept – „das alles gibt es nicht zum Nulltarif“.

Wie sich das Schulgeld auf die Schülerzahlen auswirken wird, kann Nellessen-Kohl nur schwer vorhersagen. „Das ist eine neue Situation für uns.“ Aber sie blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir sind guten Mutes, dass unser guter Ruf uns weiter positive Anmeldezahlen bescheren wird.“

Die Liebfrauenschule ist ein staatlich anerkanntes privates Gymnasium für Mädchen mit Realschulzweig. Im Gymnasialzweig gibt es in der Regel vier Parallelklassen – davon zwei Ganztagsklassen. 2012/13 wurde an der LFS zusätzlich ein einzügiger Realschulzweig eingeführt. Derzeit besuchen die LFS rund 750 Schülerinnen. Sabine Nellessen-Kohl leitet die Schule seit 2009.

3400 Schüler in Hessen betroffen

Das Bistum Mainz plant die Einführung eines Schulgeldes für seine vier hessischen Schulen – neben der Liebfrauenschule in Bensheim sind das die Albertus-Magnus-Schule in Viernheim, die Sankt-Lioba-Schule in Bad Nauheim und die Marienschule in Offenbach. Betroffen von der neuen Regelung sind Eltern von rund 3400 Schülern.

Ab dem kommenden Schuljahr sind davon zunächst die Fünftklässler betroffen, ab 2020/2021 gilt die Regelung für alle Schüler.

In den weiterführenden Schulen müssen Eltern monatlich 90 Euro für das erste Kind zahlen. Beim zweiten Kind werden 50 Euro, beim dritten Kind zehn Euro fällig. Alle weiteren Kinder sind beitragsfrei.

Schulgeld kann als Sonderausgabe steuerlich geltend gemacht werden. Unabhängig vom monatlichen Beitrag müssen Eltern auch künftig für Mittagessen, Schulfahrten und Exkursionen oder Ganztagsschulangebote aufkommen.