Die Energiewende ist machbar und Revolution ohne Blutvergießen auch

Wer Anfang Februar eine Studienfahrt nach Leipzig unternimmt, muss sich auf Kälte einstellen. So erging es dem Oberstufenjahrgang der Liebfrauenschule, der auf Ostfahrt ging.

Der Zwischenstopp bei der Firma Viessmann in Nordhessen ließ Hoffnung aufkommen: Es ging ums Heizen. Modernste Technologien ermöglichen klimaneutrales oder zumindest emissionsarmes Heizen. Klare Botschaft: Die Energiewende ist machbar. Überraschendes Ergebnis der Exkursion ins mitteldeutsche Braunkohlerevier: Selbst die Braunkohleverstromung mit modernster Technologie im neuen Kraftwerk Lippendorf ist heutzutage effizient und kein schmutziges Geschäft mehr. Der Flächenverbrauch beim Braunkohletagebau, wo riesige Bagger und anderes schweres Gerät sowie kilometerlange Transportbänder zu sehen waren, ist jedoch enorm. Die renaturierten Flächen und die neu entstandene Seenplatte rund um Leipzig lassen etwas vergessen, dass hier noch vor 30 Jahren gewaltige Kraterlandschaften existierten. Großräumige, aktive Uferausbildungen, Anpflanzungen und Oberflächenanreicherungen mit Mutterboden bieten die Grundlage, dass sich die Natur ganz langsam die Landschaft zurückholt und die Artenvielfalt in Flora und Fauna steigt.

Diese eindrucksvolle, durch Fachleute begleitete Exkursion regte die Debatte über die Vorschläge der Kohlekommission an, die just vor der Studienfahrt veröffentlicht wurden. 20 Jahre bis zum avisierten Ende des Braunkohleabbaus in Deutschland seinen keine lange Zeit, sagten die Fachleute. Zugleich äußerten sie die Sorge, dass, um Spitzenlasten zu decken, Strom aus den östlichen Nachbarländern zugekauft werden würde, der aus Braunkohlekraftwerken stamme, die technologisch zwei, drei Generationen hinter den deutschen liege: „Das wäre eine verlogene Energiewende“. Das Thema wird die Schülerinnen in den nächsten Wochen noch intensiv beschäftigen, stehen doch Ökologie und Ökonomie auf dem Lehrplan im Fach Politik & Wirtschaft und der Energiemix ist ein Fokusthema.

Leipzig ist die Stadt, die der Welt bewiesen hat, dass Revolution auch friedlich zu machen ist. 30 Jahre später hallt der Schlusssatz aus dem Film ‚Nikolaikirche‘ weiter nach: „Auf alles waren wir vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete“. Stasi, Polizei und Nationale Volksarmee überlassen an einem Montagabend im November 1989 100.000 friedlichen Demonstranten die breite Ringstraße um die Leipziger Altstadt und gewähren, was die DDR-Diktatur nicht vorsah, das Recht auf freie Meinungsäußerung und Demonstrationsfreiheit.

Zeitzeugen nahmen die Schülerinnen der Liebfrauenschule mit auf die „Spuren der friedlichen Revolution“ und erzählten von vielen ihrer Erlebnisse, unterstützt durch eindrucksvolle Fotos, Originalbanner und Flugblätter, die sie z.T. selbst produziert hatten. Der Schluss der Führung war ein Besuch in der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung, das „Runde Eck“. Das perfide System der Bespitzelung und Überwachung der Bürger durch die Stasi, der Geheimdienst innerhalb der DDR, das in der Ausstellung gezeigt wurde, fanden alle sehr beklemmend und ging den Schülerinnen sehr nah. Das zeitgeschichtliche Forum, dem ostdeutschen Standort des Deutschen Historischen Museums, bot in der neugestalteten Dauerausstellung weitere interessante Perspektiven zur DDR und zur innerdeutschen Geschichte.

Leipzig ist eine Reise wert, fanden die Studienfahrerinnen, ob „auf den Spuren der Friedlichen Revolution“, „der Notenspur-Tour“ um die Musikstadt Leipzig zu erkunden oder die Universitäts- und Wissenschaftsstadt kennenzulernen, man wird eine dynamische Stadt mit großer Anziehungskraft erleben.

Und die Kälte im Februar vergisst man, wenn man auf der großen Eisbahn auf dem Augustusplatz seine Runden dreht und dann warmen Punsch trinkt.