"Jugend Forscht"-Regionalwettbewerb

Zum 54. Regionalentscheid trafen sich kluge Köpfe aus der Region bei der BASF In Lampertheim

Thomas Tritsch, BA

Als die Pflanzen, die ihre Mutter zum Überwintern in die Wohnung geholt hatte, krank wurden, war ihre Neugierde geweckt: Laura Gehring, heute 18 Jahre alt, wollte wissen, warum das Grünzeug so schnell welkte. Hatte es vielleicht mit dem WLAN zu tun, das heute überall unsichtbar für Kommunikation sorgt? Die Schülerin der Bensheimer Scholl-Schule wollte es genauer wissen und setzte Keimlinge und junge Pflänzchen gezielt der Funktechnik aus.

Unter nahezu gleichen Licht- und Temperaturbedingungen hat sie zwei Versuchsreihen gestartet – eine nah am WLAN-Verstärker, eine fast ganz außer Reichweite. Das Ergebnis: Unter Strahleneinfluss zeigten einige Pflanzen braune Blüten und verkümmerte Äste und die Radieschen keimten nur zur Hälfte. Den Kollegen abseits des Routers ging es vergleichsweise gut.

„Um sicherzugehen, müsste man das Experiment unter Laborbedingungen hundertfach wiederholen und eine größere Vielzahl an Pflanzen testen“, sagt die Schülerin kritisch. Doch ihr Versuch hat gezeigt, dass es scheinbar einen Zusammenhang gibt. „Es wäre spannend, zu wissen, ob das WLAN langfristige Schäden erzeugt“, so die Bürstädterin. Schon zum dritten Mal war sie bei „Jugend forscht“ dabei.

Der 54. Regionalwettbewerb Hessen Bergstraße fand am Samstag bei der BASF in Lampertheim statt. Das Unternehmen war zum fünften Mal Gastgeber der Veranstaltung. 42 Jugendliche aus den Kreisen Bergstraße und Odenwald präsentierten kreative Forschungsprojekte und pfiffige Ideen und traten unter dem Motto „Frag nicht mich – frag Dich!“ in den Fachbereichen Biologie, Mathematik/Informatik, Physik, Technik, Chemie und Arbeitswelt an. Eine 15-köpfige Expertenjury aus Wirtschaft und Schule begutachtete die Arbeiten.

Neben den 21 Teilnehmern bei „Jugend forscht“ nahmen ebenso viele an der Juniorsparte „Schüler experimentieren“ teil, darunter auch Nele Marie Kaiser, Nura El-Bitar und Hannah Ferber, alle 14 Jahre alt und von der Bensheimer Liebfrauenschule. Ihr Projekt: ein intelligentes Gewächshaus, das stets ein optimales Klima bietet und in dem menschliche Arbeit durch technische Lösungen ersetzt wird.

Prototyp voller Know-how

„Wir haben verschiedene Materialien wie Glas und Folie ausprobiert und ein automatisches Bewässerungssystem eingebaut“, erklärt Nele Marie. Wird es drinnen zu warm, öffnet sich das „Dach“ von selbst. Der Prototyp steckt voller Sensoren und anderer technischer Gimmicks wie einer Plattform, in der die Soft- und Hardware stecken. „Wir wollen das Objekt auf jeden Fall weiterentwickeln“, so Nura.

Elf Jahre jung sind Linus Weiffen und Alrik Nottrott vom Bensheimer Goethe-Gymnasium. Dort waren sie im vergangenen Sommer ganz schön ins Schwitzen gekommen – nicht wegen der Prüfungen, sondern wegen des Raumklimas. Bei bis zu 38 Grad fiel das Lernen schwer. Doch fest installierte Klimaanlagen sind teuer und Ventilatoren bewegen zwar die Luft, senken aber nicht die Temperatur. Also haben sich die beiden cleveren Tüftler überlegt, wie man für kühlere Köpfe sorgen kann.

Mit einer Salzlösung und einem Ventilator ist es ihnen tatsächlich gelungen, die Raumluft herunterzukühlen. „Und wenn man das Salz in der Sonne trocknen lässt, kann man es sogar wiederverwenden“, sagt Linus. Für diese tolle Idee haben die beiden in der Kategorie Arbeitswelt den ersten Preis gewonnen. Auch sie wollen an ihrem Konzept weiterforschen. Weil es in diesem Jahr erstmals auch in der Juniorsparte einen Landeswettbewerb gibt, werden die beiden erstplatzierten Schüler am 12. April nach Kassel fahren.

„Das forschende Lernen wird in einer sich rasch wandelnden Welt immer wichtiger“, sagt BASF-Standortleiter Helmut Prestel. „Es kommt darauf an, elementaren Zukunftsfragen und Herausforderungen mit Neugier und Forschergeist zu begegnen.“ Dass vor allem in den sogenannten MINT-Disziplinen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik kein Talent verloren geht, sei für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft von besonderer Bedeutung, meint der geschäftsführende Vorstand der Stiftung „Jugend forscht“, Sven Baszio.

„Jeder interessierte und leistungsbereite junge Mensch muss die Chance haben, entdeckt und gefördert zu werden“, so Baszio weiter. Er dankte den Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft: „Ohne sie wäre Jugend forscht nicht denkbar.“ Der Regionalwettbewerb Hessen Bergstraße wurde in Zusammenarbeit mit der BASF, dem Zentrum für Chemie in Bensheim und dem Staatlichen Schulamt Bergstraße/Odenwald organisiert. Wettbewerbsleiterin ist Melanie Eberhardt vom Schulamt.

Die Sieger bei „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“

Jugend forscht

Arbeitswelt: „Mobile Assissted Visually Impaired Navigation“ von Sarthak Saxena (Gesamtschule im Schuldorf Bergstraße, Seeheim-Jugenheim).

Technik: „TempWarn – Ein dezentrales Temperatursensor-Messsystem“ von Sören Bender und Konstantin Bachem (Schuldorf Bergstraße) sowie „AutoRain – Multibotsystem 2.0“ von Tom Götz, Moritz Neumann und Nikita Tatsch (Lessing-Gymnasium Lampertheim).

Mathematik/Informatik: „Skynet Messenger“ von Tim Buchner und Daniel Lerch (Starkenburg-Gymnasium Heppenheim).

In Biologie, Chemie und Physik gibt es in diesem Jahr keine erstplatzierten Projekte. Neben den Regionalsiegern hat sich ein weiteres Projekt im Fachgebiet Mathematik/Informatik für den Landeswettbewerb qualifiziert, da es als bestes interdisziplinäres Projekt ausgewählt wurde: „K.O. Sensor: Sturzkennung mittels Machine Learning“ von Benjamin Eicher, Niklas Dillen und Anton Schwarz (Schuldorf Bergstraße).

Schüler experimentieren

Arbeitswelt: „Das kalte Klassenzimmer“ von Linus Weiffen und Alrik Nottrott (Goethe-Gymnasium Bensheim).

Biologie: „Vererbung der Flossenfarbe bei Guppys“ von Johanna Graf, Lara Moritz und Johanna Tischer (Liebfrauenschule Bensheim).

Chemie: „Aus sauer wird fest“ von Lukas Röder und Max Lahne (Dreieichschule Langen).

Mathematik/Informatik: „Neuronale Netze für Vier gewinnt“ von Finn Bender und Florian Meyer (Schuldorf Bergstraße).

Physik: „Granit als Energiespeichermedium der Zukunft“ von Anisha Rajendra Kumar (Gesamtschule im Schuldorf Bergstraße).

Die Gewinner fahren zum Landeswettbewerb Hessen von „Jugend forscht“ am 27. und 28. März in Darmstadt. Es folgt das Bundesfinale von 16. bis 19. Mai in Chemnitz. 

BA, 25.02.2019