Per Handy-App zur persönlichen Freiheit

Eigenproduktion der Oberstufen-Theater-AG / Tolle Ensembleleistung

"Wir sind so frei", so der Titel des etwa einstündigen Stücksder Theater-AG der „Großen" an der Liebfrauenschule. Sind wir wirklich frei? Und was ist Freiheit eigentlich?

Diesen Fragen war der von der Idee über Texte, Darstellung und Regie unter Leitung von Christiane Ehret-Jeltsch ganz in Eigenproduktikon erstellte Beitrag der Schülerinnen im Rahmen der Schultheatertage auf der Spur – mal mehr philosophisch, mal mehr im ganz alltäglich-banalen Sinn: „Ich bin frei, meine Hausaufgaben zu machen, wann und wo ich will".

Die Zuschauer beobachteten die souverän gespielte Hauptfigur bei der Auseinandersetzung mit der großen Frage nach der Freiheit. Im Powi-Unterricht hört Mia von der pakistanischen Schülerin Malala, die sich furchtlos für das Recht auf Bildung einsetzt und dafür den Friedensnobelpreis erhielt. „Macht Schule frei?", lautet der Titel der dazu erteilten Hausaufgabe.

Doch Mia hat sich längst die Freiheits-App „Frepp" heruntergeladen, die ihr zur persönlichen Freiheit verhelfen soll. Als erstes schmeißt Mia auf Anraten der App die Schule. Jetzt ist sie frei – aber wozu? Zum Chillen und Im-Internet-Surfen, wo Mia auf die Schauspielerin Emma Watson trifft, die sich einerseits wegen ihres Engagements für die Emanzipation Drohungen ausgesetzt sieht, andererseits für ihr modisches Auftreten mit sexistischen Kommentaren bedacht wird.

Nach der Schule soll Mia auch ihre sozialen Kontakte loswerden, schließlich sogar die emotionalen Bindungen zu Eltern und bester Freundin. All das macht abhängig und verletzlich, befindet die Freiheits-App, die immer mehr Macht über Mias Leben gewinnt.

Die Rechte dazu hat Mia ihr selbst eingeräumt, indem sie den Nutzungsbedingungen zugestimmt hat – im Stück sehr schön dargestellt durch einen buchstäblich meterlangen Text, der im Verlauf des Stücks immer wieder auf- und abgerollt wird und Zugriff auf Kamera und Mikrofon, Adressen und Chats ausdrücklich erlaubt.

Im Verlauf des Stücks begegnet Mia auch der Freiheitskämpferin Sophie Scholl und am Ende sogar Mary Ward, die als Katholikin im 17. Jahrhundert aus England ausgewiesen, zunächst in Deutschland, später auch in anderen Ländern, Schulen für Mädchen aus allensozialen Schichten gründete und damit auch die Basis für die Bensheimer Liebfrauenschule schuf.

Gegen all diese Identifikationsfiguren kann die App am Ende nur den Suizid als Weg zur absoluten Freiheit anbieten. Doch so weit kommt es nicht.

Das Stück glänzte mit guten Regieeinfällen und sehr abwechslungsreichen schauspielerischen Darstellungsformen, darunter die pantomimische Übersetzung der abstrakten Ideen eines freiheitlichen Staates wie Demokratie, Gesetzgebung oder Kapitalismus. Insgesamt eine tolle Ensembleleistung, die den verdienten Applaus erhielt.

Es spielten: Monika Neeser, Anna Häring, Mareike Manns, Ricarda Neumeister, Laura Dreßler, Lena Rudolf, Clara Hofmann, Anabel Rothenheber, Elena Groß, Anuschka Ritzert, Leonie Roth, Julia Groß. Technik: Serena Kipfstuhl, Vinzenz Loga

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