Rinderzucht bedroht den Regenwald

Vortrag von Professor Ulrich Scholz über Ursachen und Folgen der Zerstörung großer Flächen In Südamerika und Asien

Die Medien sind voll davon: In Südamerika, Afrika und Asien schwinden täglich immense Flächen von Regenwald. Dieser Verlust schadet nicht nur der Natur vor Ort, sondern auch dem globalen Klima. Der Frage, was genau der tropische Regenwald eigentlich ist und welche Bedeutung er für die gesamte Erde hat, ging Laura Luber im Erdkundeunterricht mit Schülerinnen der E-Phase an der Liebfrauenschule nach.

Die Referendarin lud zum Abschluss des Schuljahres und zur Vertiefung des im Unterricht Erarbeiteten Ulrich Scholz nach Bensheim ein. Der emeritierte Professor an der Universität Gießen war nicht nur ihr eigener Ausbilder, sondern auch der von mehreren Kolleginnen an der Liebfrauenschule.

Per Anhalter nach Indonesien

In einem öffentlichen Vortrag referierte Scholz über die Bedeutung, die Ursachen und die Folgen der Regenwaldzerstörung. Scholz war nach seinem Studium erstmals 1968 per Anhalter nach Indonesien gereist und lebte insgesamt zehn Jahre in dem Land als Lehrer und Mitarbeiter an verschiedenen Projekten. Aus eigener Erfahrung und untermauert mit vielen aussagekräftigen Fotos schilderte er die Entwicklung der globalen Regenwaldvorkommen.

Was sind typische Kennzeichen der tropischen Regenwälder?

Begünstigt durch eine stete, keinem Wechsel der Jahreszeiten unterliegende Niederschlagsmenge, die über der täglichen Verdunstung liegt, bringt der Regenwald eine ungeheure Artenvielfalt hervor, die bei bis zu 200 Baumarten pro Hektar liegt. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwa 20. Die Bäume binden CO2 in großen Mengen, das wieder frei gesetzt wird, wenn sie etwa verbrannt werden. Zugleich regulieren sie den Wasserhaushalt wie ein Schwamm, indem sie die Feuchtigkeit speichern und langsam und regelmäßig wieder abgeben. Fehlt der Regenwald, gibt es Überschwemmungen und Erosion.

Welche Überlebensstrategien haben Pflanzen im dichten Grün entwickelt?

Die Bäume im Regenwald werden bis zu 45 Meter hoch und bilden ein dichtes Blätterdach, das bis zum Boden kaum noch Licht durchlässt. Neue Pflanzen folgen deshalb unterschiedlichen Strategien, ans Licht zu kommen, um überleben zu können.

Kerzengerade und ohne Seitenäste nach oben zu wachsen ist die eine Methode, die Bäume wie zum Beispiel Meranti auch so interessant für die Holzwirtschaft macht. Besonders schnell wächst etwa Bambus, bis zu 50 Zentimeter am Tag. Andere Bäume, die Lianen, zu denen auch das im Möbelbau beliebte Rattan gehört, wachsen zunächst als dünne Ranken an älteren Bäumen empor und bilden erst oben ihre Belaubung aus.

Aufsitzerpflanzen wie Bromelien und Farne, auch Epiphyten genannt, lassen sich als Samen von den Vögeln nach oben tragen und wachsen überhaupt erst in schwindelnder Höhe. Hemi-Epiphyten machen es genauso, nur lassen sie zusätzlich ihre Luftwurzeln nach unten wachsen bis sie den Boden erreichen und damit die dort vorhandenen Nährstoffe.

Welches Ausmaß hat das Sterben des Regenwaldes angenommen?

Die mit Regenwald bewachsenen Flächen werden in einem rasanten Tempo kleiner. Um 1990 gab es in Südamerika und Afrika jeweils noch etwa 57 Prozent der ursprünglichen Fläche, in Asien war es gar nur noch 40 Prozent. Schon 2010 war der Regenwald in Asien auf etwa 19 Prozent geschrumpft.

Welche Ursachen gibt es für die Verkleinerung der Fläche?

Scholz nannte einerseits die Schädigung durch die Stammholzgewinnung. Zwar sei der Handel mit Tropenholz in den westlichen Industrieländern stark zurückgegangen, doch werde es vor Ort als Bauholz verwendet. Auch wenn nur etwa acht Prozent des Regenwalds als Stammholz geschlagen werde, werde dabei insgesamt mehr als die Hälfte aller Bäume geschädigt – durch Forstwege oder Baumfällungen. Beim traditionellen Wanderfeldbau werden jährlich neue Flächen brandgerodet. Nach der Nutzung zum Anbau von Reis, Mais oder Maniok entstehen hier ausgedehnte Gras-Savannen.

Auch im Zuge von staatlichen Umsiedlungsprojekten wurden immer wieder große Flächen von Regenwald zerstört. Spontane kleinbäuerliche Umsiedlungen erfolgen oft in Folge des Baus neuer Straßen.

Ebenso ein großes Problem: Riesige Plantagen etwa für die Gewinnung von Palmöl, das als Nahrungsmittel und in der Kosmetikindustrie, aber auch als Kraftstoff eingesetzt werde.

Warum bedrohen Rinderzucht und Sojaanbau den Regenwald?

Die größte Regenwaldzerstörung aber werde seines Erachtens durch die großen Ranchen hervorgerufen, erklärte Scholz. Für die Rinderhaltung würden riesige Flächen gerodet und mit Gras eingesät. An den Rändern bauten die Betriebe Sojabohnen an – als Tierfutter, aber auch als Nahrung für den Menschen. Ein Foto zeigte das Beispiel eines Sojabohnenfeldes, das bis zum Horizont reichte. Aber was kann man tun, um der Zerstörung entgegenzuwirken? Der Referent machte deutlich, dass es auf diese Frage keine einfache Antwort gebe. Zu komplex seien die wirtschaftlichen Verflechtungen und die Auswirkungen von einzelnen Maßnahmen im nationalen wie internationalen Gefüge.

BA, 28.06.2018