Schülerin der Liebfrauenschule gewinnt Bezirksentscheid beim Vorlesewettbewerb

Frau Riedmüller, Franziska mit ihrer Freundin Hanna, Frau Ehret, Frau Loga

Auf in die nächste Runde - Schülerin der Liebfrauenschule gewinnt Bezirksentscheid beim Vorlesewettbewerb

„Ich fühl‘ mich wie auf Wolke 7!", so kommentierte Franziska nach der Rückkunft in der Liebfrauenschule einen Tag später ihren Gewinn. Einen Tag zuvor sah es noch anders aus: Elf Sechstklässler traten zum fairen Wettkampf in der Heinrich-Böll-Schule in Fürth an, die zusammen mit dem Ausrichter,  der Buchhandlung Roth in Fürth,  der Veranstaltung einen würdigen Rahmen bot und zwischen den Runden für das leibliche Wohl und die nötige Entspannung sorgte. Im Bezirksentscheid traten die Sieger aus den südhessischen Landkreisen an; es war dies also schon die zweite regionale Wettbewerbsetappe.

Mit dem Zuspruch des Leiters der HBS „Ihr seid ja schon mal alle Sieger" wurde ihnen vor Beginn der Einstieg erleichtert. In der ersten Runde durften die Schüler drei Minuten aus einem selbst gewählten Buch vorlesen. Hier kam alles vor: vom Wolf über ein abgebranntes Museum bis hin zum japanischen Samurai. Die vorgestellten Bücher handelten von starken Gefühlen: von Liebe und Leid, Hass und Hohn, Aufregung und freudiger Erwartung. Am meisten ging es unter die Haut, wenn Helden des Alltags auch unter größter Anspannung tapfer für Recht und Freiheit eintraten – mit Angst und Bangen.

Die Schülerin Franziska Müller hatte ein spannendes Buch mitgebracht. „Auf der richtigen Seite" von William Sutcliffe handelt von einem jüdischen Jungen in einer Stadt, die von einer Mauer geteilt ist. Eines Tages entdeckt er einen verborgenen Tunnel und gerät dadurch in Gefahr… es ist die Geschichte eines Jungen in der Westbank, der verstehen lernt, dass jede Geschichte zwei Seiten hat – also auch eine politische Fabel über den Glauben und die Wahrheit.

60 Jahre gibt es den Vorlesewettbewerb bereits, vom Börsenverein des Buchhandels gefördert, um das Lesen attraktiver zu machen. Ganz sicher gelang dies hier schon im Vorfeld, weil in den Klassen die Sieger ermittelt und dazu geeignete Bücher gefunden werden mussten. Auch die Jugendlichen lernten bei dieser Veranstaltung starke Lektüren kennen und vielleicht landet das eine oder andere der Fundstücke auf dem Ostertisch.

In der zweiten Runde mussten die Jugendlichen einen „Fremdtext" lesen, einen Ausschnitt aus dem Buch „Tanz der Tiefseequalle" von Stefanie Höfler, in dem die Sichtweisen verschiedener Jugendlicher als unterschiedliche Perspektiven auf eine Situation vorgestellt werden. Der Reiz bestand darin, sofort den Charakter, die Situation, die Stimmung und die Tonlage zu treffen und so den Text „authentisch“ zu gestalten. Allzu große Theatralik musste da ebenso unangemessen wirken wie zu viel Zurückhaltung. Hier gab es heftige Wortgefechte, aber auch feine Nuancen der Ironie gaben der Lesung ihre Würze. Oft hielt das Publikum den Atem an oder lachte verhalten, wenn komische Szenen geschildert wurden.

Jeder Vorleser hatte Verstärkung mitgebracht: Eltern, Lehrer, Großeltern, Lesebeauftragte lauschten konzentriert den Vortragenden. Obwohl die Fangemeinde natürlich ihrem Kandidaten die Daumen drückte, wurde doch jedem Beitrag der gebührende Beifall gezollt. Insgesamt herrschte eine sehr wohlwollende Atmosphäre und trotz der im Raum zu spürenden Anspannung und Aufregung ging es fair zu. Die Jury bestand aus fünf erfahrenen Viellesern von der Lesebeauftragten bis zum Redakteur der „Odenwälder Zeitung". Sie war nicht zu beneiden, denn so unterschiedlich wie die Bücher war die Art und Weise des Vortrags – unterschiedlich je nach Persönlichkeit, aber auch je nach Präsentation im geübten und  fremden Text. Alle erhielten eine Urkunde und einen Buchpreis.

Es blieb also bis zum Schluss ergebnisoffen. Franziska fand es denn auch in der Aufregung „unfassbar" bei der Verkündung der Sieger ihren Namen zu hören. Am Ende gab es zwei Sieger: Franziska Müller von der Liebfrauenschule Bensheim und Kolja Barein von der Albert-Einstein-Schule in  Groß-Bieberau.  Am 22. Mai dürfen sie am Landesentscheid in Frankfurt teilnehmen. Danach winkt das Finale und es heißt „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!". Inzwischen hat Franziska also wenig Zeit auf „Wolke 7", denn sie muss schon ein neues Buch suchen, wie es das Reglement vorschreibt.

Alle im Raum erfuhren hautnah: Lesen lohnt sich und Vorlesen ist eine großartige Sache für den, der vorliest und spürt, wie er das Publikum in seinen Bann ziehen kann – es ist auch ein magischer Moment für die Zuhörer, die für eine Weile gebannt lauschen.