Schultheatertage 3: Theater AG der Klassen 7/8 feierte Premiere mit der Eigenproduktion „Sie ist weg!“

Die Pubertät – viel zu schön für diese Welt

 

Angesprochen waren Zuschauer der Klassen 6 bis 8, doch auch für Erwachsene, vor allem wenn sie Eltern sind, ist die Eigenproduktion der Theater-AG Klasse 7/8 der Liebfrauenschule unter Leitung von Christiane Ehret-Jeltsch höchst sehenswert.

„Sie ist weg!“ hatte bei den Schultheatertagen Premiere und überzeugte mit einer originellen, lehrreichen und sehr witzigen Darbietung, angekündigt als ein Krimi besonderer Art. Doch der offene Vorhang zeigt erstmal eine Bühne voller Kuscheltiere. Davor die Figur, um die sich letztlich alles drehen wird: „Ich bin’s, eure Pubertät. Ich bin 14 und viel zu schön für diese Welt“, stellt sie sich und ihre Hobbys – Chillen und Partymachen – vor, bevor sie den Platz freigibt für einen Reigen typischer Familienszenen.

Echte Erfahrungen in der freien Natur möchte eine Mutter den Töchtern vermitteln – aber die gibt es doch auch auf YouTube, meinen die. Das Ökofleisch aus der Tiefkühltruhe kommt bei den Jugendlichen schlecht an und sowieso sind sie sich einig: „Eltern machen uncool“.

Aber die sind auch nicht zimperlich in ihrem Urteil: „Ich steh vor meinem Kind und denke, sie ist über Nacht verblödet,“ meint eine Mutter.

Klarer Fall, die Pubertät nervt alle. Doch plötzlich ist sie weg – entführt, so heißt es und die Polizei beginnt die Fahndung. Zuhause ist aber wieder alles in Butter. Die Kinder kuscheln mit den erleichterten Eltern, sind süß und nett. Allzu lang währt die Freude nicht. Denn Kinder haben, heißt auch Quengelei anhören müssen, in aller Herrgottsfrühe geweckt werden und ständig aufpassen, dass nichts passiert.

Und wie sieht das eigentlich die Familie der Pubertät, zu der die kleine Schwester Kindheit, die Eltern als Erwachsene und die Omas als Alter gehören. In einer Talkshow zeigt die Familie Lebenslauf, dass es ohne Pubertät nicht geht, selbst wenn die Eltern und die kleine Schwester behaupten, froh zu sein, dass sie weg ist. Doch ohne Pubertät kämen die Menschen vielleicht erst mit dreißig in die Null-Bock-Phase, könnten erst als Erwachsene ihre Grenzen austesten und Instagram wäre pleite.

Kein Zweifel, die Pubertät wird dringend gebraucht! Gottlob, sie war gar nicht entführt, sondern einfach nur mal weg, weil sie es leid war, für alles verantwortlich zu sein. Die Eltern freuen sich, dass sie fortan nicht mehr tagein tagaus „Bibi & Tina“ hören müssen. Dafür geht gleich das Feilschen wieder los, um welche Uhrzeit abends nach Hause zu kommen ist. Schöner Gag am Ende: Es erscheint die männliche Pubertät, bislang ging es nur um die weibliche Variante. Kein Wunder, wo doch jeder weiß, dass die männliche Pubertät immer später kommt.

BA, 27.06.2019